Media Markt & Saturn liefern per Taxi

Media Markt und Saturn haben ein gemeinsames Lieferkonzept mit Intelligent Apps, dem Herausgeber der mytaxi App vorgestellt. Der Kunde kann sich seinen Online-Einkauf innerhalb von einer Stunde per Taxi nach Hause bringen lassen. Der Lieferauftrag wird dabei den bei mytaxi registrierten Taxifahrern angeboten. Diese können dann selbst den Preis bestimmen und sich so die Fahrt sichern.

Ist dies nun eine Marketingaktion, die den beiden Elekronikhändlern der Metro-Gruppe einen innovativen Touch – ähnlich der Lieferung per Drone von Amazon – geben soll, oder steckt dahinter wirklich das Potenzial einen neuen Absatzkanal zu entwickeln? Unterziehen wir das neue Modell dem Business-Schnell-Check:

Was ist das Kerngeschäft?
Zu Media Markt und Saturn geht man in der Regel aus folgenden Gründen:

  • Man möchte eine Ware nicht nur anschauen, sondern anfassen und ausprobieren
  • Man möchte die Beratung eines Verkäufers in Anspruch nehmen
  • Man braucht diesen bestimmten Artikel wirklich JETZT

Möchte man Artikel nur anschauen und vergleichen oder benötigt diese erst am nächsten Tag, gibt es viele günstige Alternativen im Internet. Die Kernkompetenz ist also das Ladengeschäft und nicht der Online-Handel.

Wie groß ist der Markt?
Als Zielgruppe für den neuen Lieferservice kommt der Kunde, welcher den Artikel sofort (und nicht erst morgen) benötigt in Frage. Der Kunde ist aber nicht in der Lage oder Willens sich für diesen Einkauf außer Haus zu begeben. Außerdem ist ihm die Lieferung mindestens 10-20 Euro wert (ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Taxifahrer für weniger Geld die Fuhre übernimmt). An dieser Stelle ist wohl schnell klar, dass es sich um eine sehr kleine Zielgruppe handelt, und mit dem neuen Lieferservice kein nennenswertes Zusatzgeschäft realisiert werden kann.

Fazit
Media Markt und Saturn geben sich mit dem neuen Liefermodell einen innovativen Touch. Der eigentliche Gewinner ist aber mytaxi, da mit dem zusätzlichen Potenzial von Lieferfahrten weitere Taxifahrer auf das Portal gelockt werden.

Und wie hätte man es besser machen können?
Besinnen wir uns auf die Stärke des Ladengeschäfts – die Beratung. Um sich von Online-Konkurrenten wie Amazon abzusetzen könnten Media Markt und Saturn ihre Online-Shops um die Fachberatung per Telefon oder Videochat erweitern. Frei nach dem Motto: “Online kaufen ohne Beratung? – Ich bin doch nicht blöd!”

 

 

Den Kundenkontakt versilbern

1995 gründete Jeff Bezos das Online-Kaufhaus Amazon und entwickelte es zu einem Internet-Giganten. Über 97.000 Mitarbeiter kümmern sich in 32 Standorten rund um den Globus darum, dass der Online-Kunde seine Bestellung innerhalb kurzer Zeit geliefert bekommt. Es gibt wohl kaum einen Internet-Benutzer, der nicht schon bei Amazon eingekauft hat. Neben den Logistikzentren und der IT-Infrastruktur ist genau das der größte Unternehmenswert von Amazon – der Kundenzugang.
Seit 2000 “verkauft” Amazon seinen Kundenzugang an andere Einzelhändler. Für eine monatliche Grundgebühr von 39 Euro und einer Provision von 7-15% pro verkauftem Artikel können Händler ihre Waren im Amazon Webshop anbieten.

Verkaufen_bei_Amazon_-_So_funktioniert_s___Amazon_Services_Europe

Quelle: Amazon.de

Wer darüber hinaus Unterstützung bei Versand und Kundenservice benötigt, kann auch hier die Dienstleistungen von Amazon in Anspruch nehmen.

2013 waren bereits mehr als 2 Millionen Händler als Amazon Partner aktiv.